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Modellierung von Adressdaten: Wichtige Erkenntnisse und Empfehlungen

Adressdaten gehören zu den grundlegenden Bestandteilen moderner Unternehmensdatenbanken – insbesondere dort, wo detaillierte Kundeninformationen unverzichtbar sind. Die Vielschichtigkeit von Adressen kann den Modellierungsprozess jedoch anspruchsvoll gestalten, vor allem wenn das Ziel ein einzelner zentraler Hub ist, der sämtliche Adressdaten konsolidiert. In einer Ausgabe des Formats Data Vault Friday untersuchte Michael Olschimke von Scalefree die besten Ansätze zur effektiven Modellierung von Adressdaten unter Berücksichtigung zentraler geschäftlicher und regulatorischer Anforderungen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und gibt praxiserprobte Empfehlungen für den Aufbau eines robusten, skalierbaren und effizienten Adressdatenmodells.

Der Kontext: Adressdaten in einem einzelnen Hub

In dem diskutierten Szenario bestand die Herausforderung darin, unterschiedliche Adresstypen innerhalb eines einzigen Hubs abzubilden. Das Hauptziel lag darin, redundante Adressdaten zu vermeiden und den Umgang mit NULL-Werten zu vereinfachen. Gemäß den ISO-20022-Standards und Vorgaben der Europäischen Union umfasste das Datenmodell Attribute wie STREET_NAME, BUILDING_NUMBER, BUILDING_NAME, ROOM, FLOOR, POSTAL_CODE, TOWN_NAME, COUNTRY_CODE, ADDRESS_LINE_1 und ADDRESS_LINE_2. Jedes dieser Felder ist Teil eines zusammengesetzten Business-Keys, der zur eindeutigen Identifizierung jeder einzelnen Adresse dient.

Ein pragmatischer Vorschlag aus dem Projektteam sah vor, NULL-Werte durch Platzhalter (wie beispielsweise „-2“) zu ersetzen, um Ladevorgänge zu vereinfachen und Abbrüche bei der Verarbeitung zu verhindern. Olschimke zeigte jedoch alternative Lösungswege auf, die sicherstellen, dass das Datenmodell langfristig wartbar und skalierbar bleibt.

Herausforderungen beim Ersetzen von NULL-Werten

Das Ersetzen von NULL-Werten in Business-Keys mag Ladeprozesse auf den ersten Blick erleichtern, bringt jedoch in nachgelagerten Prozessen (Downstream) gravierende Nachteile mit sich, vor allem bei der dimensionalen Modellierung und der konsistenten Abbildung der Geschäftslogik. Werden NULL-Werte unreflektiert durch Werte wie „-2“ substituiert, können diese Platzhalter bis in operative Berichte durchschlagen und Fehlinterpretationen auslösen. Olschimke empfahl stattdessen ein systematisches Vorgehen mit festen Hash-Werten („Fixed Hash Values“) etwa reinen Null- oder F-Werten –, um Standard-, Leer- oder Fehlerzustände eindeutig zu kennzeichnen.

Durch die Verwendung definierter Hash-Werte lassen sich Ausnahme- und Fehlerfälle direkt auf Datenebene abfangen. Dies erspart fehleranfällige Filterlogiken in nachgelagerten Schichten und sorgt für transparente, nachvollziehbare Verarbeitungsprozesse.

Vermeidung überladener Hubs und von NULL-Werten in zusammengesetzten Keys

Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Vermeidung überladener Hubs („Hub Overloading“). Dieses Problem entsteht, wenn fachlich unterschiedliche Konzepte in ein und derselben Hub-Tabelle vermengt werden. Typischerweise geschieht dies, wenn stark abweichende Adressarten unter einem gemeinsamen Business-Key zusammengefasst werden, obwohl Attribute wie ROOM oder FLOOR nur für einen Bruchteil der Datensätze relevant sind.

Laut Olschimke führen überladene Hubs zu unnötiger Komplexität, die durch ungleiche Granularitätsstufen und lückenhafte Datenprofile verursacht wird. So können unter einer einzigen postalischen Adresse mehrere Gebäude, Etagen oder Einzelräume existieren. Werden diese unterschiedlichen Granularitäten in einem Hub erzwungen, leidet die Aussagekraft der Datenbeziehungen. Die Empfehlung lautet daher, Granularitätsebenen strikt voneinander zu trennen, Adresstypen bei Bedarf in separate Strukturen aufzuteilen oder flexiblere Datenformate einzusetzen.

Alternative Modellierungsansätze: JSON-Strukturen und Reference Tables

Wenn verschiedene Adresstypen ein hohes Maß an Flexibilität erfordern, stellen JSON-basierte Datenstrukturen eine elegante Alternative dar. JSON erlaubt es, Adressattribute dynamisch zu erfassen, sodass stets nur die Attribute gespeichert werden, die für den jeweiligen Adresstyp tatsächlich vorliegen. Dadurch wird eine Überladung des Schemas vermieden, ohne auf starre Tabellendefinitionen angewiesen zu sein.

In einem JSON-basierten Hub können die Adressdaten vor dem Hashing in ein standardisiertes, nach Attributnamen sortiertes JSON-Objekt überführt werden. Eine einheitliche Sortierung der Schlüssel ist hierbei zwingend erforderlich, um identische Hash-Werte für identische Adressen zu garantieren. Richtig umgesetzt, sorgt dieser Ansatz für schlanke Hubs, flexible Laderoutinen und eine unkomplizierte Weiterverarbeitung im Downstream.

Als weiterer praxistauglicher Weg bieten sich Reference Tables für häufig genutzte, normierte Adressdaten an. Als zentrale Referenzquelle ermöglichen sie eine zuverlässige Deduplizierung über eine eindeutige Adress-ID, was Redundanzen über mehrere Hubs hinweg wirksam minimiert.

Adressdaten als deskriptive Attribute in Satellites führen

Statt Adressbestandteile in den Business-Key eines Hubs aufzunehmen, ist es häufig sinnvoller, sie als rein deskriptive Attribute innerhalb einer Satellite-Tabelle zu führen. Auf diese Weise bleibt der Hub frei von Attributen, die für die eindeutige fachliche Identifikation der Kernentität nicht zwingend erforderlich sind. Werden Adressdaten in Satellites gespeichert und mit der übergeordneten Business-Entität (wie Kunden oder Standorten) verknüpft, entsteht eine ausgewogene Balance aus Deduplizierung und Modellierungsaufwand.

Olschimke rät insbesondere dann zu dieser Lösung, wenn die Vermeidung von Redundanzen oberste Priorität hat. Dies folgt einem Kernprinzip von Data Vault: Satellite-Tabellen erfassen deskriptive, zeitlich veränderliche Kontextdaten, während Hubs ausschließlich stabile fachliche Schlüssel abbilden.

Anwenden von Business Rules in der Data-Vault-Modellierung

Adressdaten erfordern häufig spezifische Business Rules – insbesondere bei mehrteiligen Schlüsseln oder der Dublettenbereinigung. Das bloße Ersetzen fehlender Werte durch Standardzeichenketten behindert den sauberen Aufbau dimensionaler Modelle im Downstream. Empfohlen wird stattdessen ein zweistufiges Vorgehen: Erstens die Definition der Business-Keys im Hub unter Nutzung standardisierter Hash-Ersatzwerte für das Fehler- und Default-Handling, zweitens die einheitliche Ausgestaltung der Satellite-Strukturen, um unterschiedliche Adressformate dynamisch aufzunehmen.

Jedes Unternehmen hat individuelle Rahmenbedingungen. Ob die Wahl auf spezialisierte Hubs, JSON-Attribute oder Reference Tables fällt, richtet sich maßgeblich danach, welche operative Rolle Adressdaten in Ihren Kernprozessen spielen. Wer eine Überladung von Hubs konsequent vermeidet und auf Skalierbarkeit setzt, schafft ein Datenmodell, das den Wartungsaufwand minimiert und gleichzeitig maximale Datenqualität bietet.

Fazit

Die Modellierung von Adressdaten in Data Vault erfordert Sorgfalt vor allem beim Versuch, ein universelles Hub-Design für heterogene Adresstypen zu etablieren. Die vorgestellten Lösungsansätze setzen auf Flexibilität, strukturelle Klarheit und saubere Business Rules, ohne Hubs zu überfrachten. JSON-basierte Strukturen, Reference Tables und die Auslagerung in Satellites bieten tragfähige Alternativen, mit denen sich die Risiken zusammengesetzter Business-Keys und unklarer NULL-Wert-Substitutionslogiken vermeiden lassen.

Für Unternehmen mit vielschichtigen Adresslandschaften zahlt sich die Prüfung dieser Ansätze aus – sowohl hinsichtlich automatisierter Deduplizierung als auch mit Blick auf Governance und Skalierbarkeit.

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