Nicht-funktionale Anforderungen im Data Warehouse
Ein Enterprise Data Warehouse besteht aus mehr als nur Berichten und Dashboards. Neben den sichtbaren Funktionen müssen zahlreiche technische Grundlagen geschaffen werden, die als nicht-funktionale Anforderungen bezeichnet werden.
In this article:
Warum nicht-funktionale Anforderungen wichtig sind
In unseren Schulungen und Beratungsprojekten empfehlen wir häufig, den Fokus konsequent auf den geschäftlichen Mehrwert (Business Value) zu legen. Mehrwert im Enterprise Data Warehousing ist definiert als „etwas von Wert für das Unternehmen“ – ob Sie es glauben oder nicht, das muss gelegentlich betont werden.
Typischerweise stellen Unternehmen ein Budget für das Enterprise Data Warehouse bereit, weil sie Berichte oder Dashboards mit handlungsrelevanten Informationen benötigen. Dem steht jedoch das Argument gegenüber, dass ein Enterprise Data Warehouse weit mehr umfasst als reine Berichte und Dashboards. In der Praxis müssen viele weitere technische Komponenten und Anforderungen umgesetzt werden, darunter:
- Infrastruktur und Speicherplatz
- Netzwerkeinrichtung und Sicherheit
- Bereitstellung mehrerer Umgebungen (Environments)
- Performance-Optimierung
- Gewährleistung der IT-Sicherheit
- Datenschutzanforderungen wie die Löschung von Kunden- und Verbraucherdaten
- Technische und fachliche Dokumentation
- Automatisiertes Continuous Deployment
- Eine durchdachte Teststrategie
- Revisionssicherheit (Auditability) und Data Lineage
- Auslegung des laufenden IT-Betriebs (Operations)
- Datenqualität und Datenbereinigung (Umgang mit korrekten, fehlerhaften und unvollständigen Daten)
- Data- und Information-Governance
- Metadatenmanagement
- Data-Warehouse-Automatisierung
Dieser Einwand ist völlig berechtigt. Für Fachanwender haben all diese nicht-funktionalen Anforderungen jedoch primär eine untergeordnete Bedeutung. Die Fachabteilung interessiert sich meist nicht dafür, ob das Enterprise Data Warehouse auf modernster Technologie basiert oder ob Bereitstellungen vollautomatisch ablaufen.
Wen kümmert es also? Mich als Techniker natürlich. Aber sollte es die Fachabteilung kümmern? Die kurze Antwort lautet: Vielleicht..
Nein, denn das ist nicht der ursprüngliche Anlass, aus dem heraus ein Enterprise Data Warehouse eingeführt wird. Der Hauptgrund liegt fast immer im Bedarf an Analysen, Berichten und Dashboards.
Ja, denn Fachabteilungen erwarten eine solide, gut dokumentierte, getestete und verlässliche Lösung. Die Umsetzung dieser nicht-funktionalen Anforderungen hat also durchaus Gewicht – allerdings an zweiter Stelle hinter dem fachlichen Nutzen.
Niemand erwartet, dass sämtliche nicht-funktionalen Anforderungen bereits im ersten Sprint erfüllt werden. Für deren schrittweise Implementierung steht in der Regel ausreichend Zeit zur Verfügung. Natürlich muss die Infrastruktur im Verlauf des Projekts wachsen, aber eben nicht zwingend ab Tag eins.
Die regelmäßige Lieferung von geschäftlichem Mehrwert in Form nutzbarer Berichte zeigt den Anwendern den tatsächlichen Projektfortschritt und schafft Transparenz darüber, wofür das Budget eingesetzt wird. Deshalb liegt unser Fokus in Projekten darauf, schnell echten Business Value zu liefern, ohne die nicht-funktionalen Anforderungen aus den Augen zu verlieren.
Fazit
Während die schnelle Bereitstellung von geschäftlichem Mehrwert durch Berichte und Dashboards im Enterprise Data Warehousing essenziell ist, bleiben nicht-funktionale Anforderungen wie Infrastruktur, Sicherheit, Performance-Optimierung und Data Governance unverzichtbar. Auch wenn diese Themen für Fachanwender oft an zweiter Stelle stehen, bilden sie das Fundament für ein robustes, skalierbares und wartbares Data Warehouse. Die richtige Balance zwischen schnellen fachlichen Resultaten und solider technischer Architektur sichert eine nachhaltige Lösung, die heutigen und zukünftigen Unternehmensanforderungen gerecht wird.

