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Scalefree Blog Data Architecture Datensouveränität: Die souveräne Datenplattform als Weg zu unabhängigen Daten und sicherer KI

Datensouveränität wird oft als rein politisches Buzzword oder als bloße Compliance-Aufgabe, z. B. im Rahmen der DSGVO und des AI Acts, abgetan. Doch in der Realität ist sie eine harte wirtschaftliche Notwendigkeit. In einer Ära, in der Daten nicht mehr nur in Dashboards visualisiert werden, sondern als Grundlage für automatisierte Geschäftsprozesse und Künstliche Intelligenz dienen, wird die eigene Infrastruktur zum strategischen Flaschenhals.

Wer in dieser Phase die Kontrolle vollständig an externe Technologieunternehmen abtritt, verliert nicht nur Unabhängigkeit, sondern auch Innovationskraft. Sind Daten in geschlossenen Systemen gefangen, bestimmt letztlich der Anbieter, was angebunden werden darf oder welche KI-Modelle genutzt werden können. Der Weg zu echter Datensouveränität beginnt mit der Erkenntnis, dass die bequemen „All-in-One“-Versprechen vieler Cloud-Anbieter einen hohen, oft versteckten Preis haben.

Wie der Kontrollverlust in der Praxis aussieht

Um zu verstehen, wie sich die Datenhoheit zurückgewinnen lässt, muss man zunächst betrachten, wie Unternehmen sie überhaupt verlieren. Dieser Kontrollverlust geschieht selten über Nacht. Vielmehr ist es ein schleichender Prozess, der tief in der Architektur traditioneller und moderner Cloud-Datenplattformen verwurzelt ist.

Fällt die Entscheidung auf eine proprietäre Datenplattform, werden die Rohdaten vollständig an das System des Anbieters übergeben.

Proprietäre Formate

Um die versprochene Performance zu liefern, wandeln geschlossene Plattformen die eingespeisten Daten in herstellereigene, proprietäre Speicherformate um. Ab diesem Moment können diese Daten nur noch von der Compute-Engine (der Rechenleistung) genau dieses einen Anbieters gelesen und verarbeitet werden.

Fehlende Interoperabilität

Soll nun eine neue, innovative Lösung, wie bspw. eine spezialisierte Analyse-Engine oder Reporting Software eines Drittanbieters angebunden oder eine bestimmte (open-source) KI genutzt werden, stehen Unternehmen oft vor einer Wand. Externe Tools können die proprietären Formate nicht nativ lesen oder es wird gar nicht erst eine benötigte Schnittstelle bereitgestellt.

Kostenfalle (“Egress Fees”)

Um die Daten für andere Anwendungen nutzbar zu machen, oder im schlimmsten Fall den Anbieter komplett zu wechseln, müssen sie aufwändig exportiert werden. Hier schlagen die sogenannten „Egress Fees“ (Kosten für den Datenabfluss) massiv zu Buche. Große Cloud-Provider machen den Ingest (das Einspeisen der Daten) oft sehr günstig, bestrafen den Export aber mit hohen Gebühren.

Verlust der Preissetzungsmacht

Sind historische Unternehmensdaten erst einmal in einem geschlossenen System verankert und die Wechselkosten künstlich in die Höhe getrieben, sind Unternehmen künftigen Preissteigerungen und Lizenzänderungen des Anbieters ausgeliefert.

Kurzum: Das Unternehmen trägt zwar weiterhin die volle rechtliche und geschäftliche Verantwortung für seine Daten, hat aber den direkten, physischen Zugriff darauf verloren. Es mietet lediglich den Zugang zum eigenen Wissen.

Stellen Sie sich an diesem Punkt einmal ganz ehrlich die Frage:

Wissen Sie genau, in welchem Format und auf welcher Infrastruktur Ihre Kern-Daten in diesem Moment liegen?
Und noch viel wichtiger: Wie kommen Sie an Ihre Daten, wenn der Zugang über das Portal Ihres Anbieters morgen früh plötzlich nicht mehr funktioniert oder die Preise über Nacht unerwartet diktiert werden?

Das Data Lakehouse und offene Standards als Ausweg

Der technologische Ausweg aus dieser Abhängigkeit führt über eine grundlegende architektonische Neuausrichtung. Die Antwort auf proprietäre Datensilos lautet heute: Data Lakehouse. Dieser Architekturansatz vereint die Flexibilität eines Data Lakes mit der Struktur und Zuverlässigkeit eines klassischen Data Warehouses, jedoch unter einer entscheidenden Prämisse: der konsequenten Trennung von Speicher (Storage) und Rechenleistung (Compute).

Diese Trennung ermöglicht es Unternehmen, ihre Architektur nach dem “Best-of-Breed-Prinzip” aufzubauen:

Eigene Infrastruktur

Anstatt Daten in die Systeme externer Dienstleister zu laden und dort zu “verriegeln”, verbleiben sie im unternehmenseigenen Cloud-Speicher (beispielsweise Amazon S3, Azure Data Lake oder Google Cloud Storage). Das Unternehmen besitzt faktisch und rechtlich den einzigen Schlüssel zu den eigenen Daten.

Offene Datenformate als Fundament

Ein wichtiger Hebel der Datensouveränität ist das Speicherformat. In einem modernen Data Lakehouse werden Daten ausschließlich in quelloffenen Standards wie Apache Iceberg, Hudi oder Delta Lake abgelegt. Diese Formate gehören keinem einzelnen Software-Hersteller und unterliegen keiner proprietären Lizenzierung.

Interoperabilität (“Bring Your Own Engine”)

Da die Unternehmensdaten nun strukturiert und in einem offenen Format im eigenen Speicher liegen, lassen sie sich von unterschiedlichsten Verarbeitungs-Engines (wie Databricks, Trino, Spark etc.) lesen. Der entscheidende Vorteil: Die Daten müssen dafür weder kopiert noch verschoben werden.

Das Resultat dieser Architektur ist echte digitale Souveränität. Wenn ein Software-Anbieter die Preise drastisch erhöht oder technologisch zurückfällt, lässt sich die Compute-Engine austauschen oder parallel durch andere Tools ergänzen. Die wertvolle Datenbasis bleibt davon völlig unberührt.

Keine sichere KI ohne souveräne Datenplattform

Diese architektonische Unabhängigkeit ist nicht nur eine Frage der Kostenkontrolle, sondern eine wichtige Grundvoraussetzung für den produktiven und sicheren Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Aktuell herrscht in nahezu jedem Industriesektor der Druck, KI-gestützte Automatisierungen einzuführen. Gleichzeitig wächst die berechtigte Sorge, sensible Geschäftsgeheimnisse an US-amerikanische „Black-Box“-Sprachmodelle abfließen zu lassen oder durch fehlerhafte KI-Antworten (Halluzinationen) geschäftskritische Fehlentscheidungen zu treffen.

Eine unaufgeräumte Datenbasis und geschlossene SaaS-Systeme bremsen KI-Initiativen hier systematisch aus. Ein souveräner KI-Ansatz erfordert andere Vorgehensweisen.

Abfrage statt Einbettung

Viele frühe KI-Versuche scheitern daran, dass Unternehmensdaten direkt in Sprachmodelle eingebettet werden. Dies birgt nicht nur massive Datenschutzrisiken, sondern führt unweigerlich zu gefährlichen Halluzinationen. Ein Large Language Model (LLM) ist primär ein Sprachwerkzeug, keine relationale Datenbank.

Agentic AI auf Open-Source-Basis

Die Lösung liegt im Einsatz sogenannter „Agentic AI“ in Kombination mit quelloffenen Sprachmodellen (Open-Source-LLMs), die lokal und sicher in der eigenen (Cloud-)Umgebung betrieben werden. Die Daten verlassen die unternehmenseigene Infrastruktur zu keinem Zeitpunkt. Noch wichtiger: Die KI wird so konfiguriert, dass sie die Daten nicht auswendig lernt, sondern als intelligenter Agent agiert. Sie nutzt ihr semantisches Kontextverständnis, um bei Bedarf gezielt direkte Abfragen (beispielsweise über SQL) an die offenen Datenformate des Lakehouses zu stellen.

„Talk-to-your-data“ in der Praxis

Durch die direkte Anbindung an die zentrale Datenplattform liefert das System harte, verifizierbare Fakten statt stochastisch berechneter Wahrscheinlichkeiten. Dieser Ansatz ermöglicht völlig neue Geschäftsprozesse: Fachbereiche ohne tiefe Programmier- oder SQL-Kenntnisse können künftig im direkten Dialog mit ihren Daten interagieren. Komplexe Analysen und Reportings lassen sich per natürlicher Sprache automatisieren und verlässlich abfragen.

Damit dieser reibungslose Dialog zwischen Business-User, KI-Agent und Datenplattform jedoch nicht im Chaos endet, muss die KI exakt verstehen, wie die Daten strukturiert sind und welche semantische Bedeutung sie haben. Technologie allein reicht hierfür nicht aus, womit wir beim oft unterschätzten Kernstück der Datensouveränität angelangt sind.

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Data Governance: Vom Regelwerk zum strategischen Enabler

Auch bei Datenplattformen bewahrheitet sich immer wieder eine Erkenntnis, die auch in vielen anderen Bereichen eine gewisse Allgemeingültigkeit erreicht hat: Technologie allein ist kein Garant für Erfolg. Ein modernes Data Lakehouse und fortschrittliche Agentic AI laufen ins Leere, wenn die zugrunde liegende Datenqualität mangelhaft ist oder die semantische Bedeutung der Daten unklar bleibt. An diesem Punkt wandelt sich Data Governance von einem oft ungeliebten Kontrollinstrument zu einem echten strategischen Enabler.

Wenn ein KI-Agent eine Benutzereingabe in eine präzise Datenbankabfrage übersetzen soll, benötigt er mehr als nur Zugriff auf Tabellen. Er benötigt Kontext. Ohne ein gepflegtes Business Glossary, klare Metadaten und definierte Verantwortlichkeiten (Data Ownership) ist das Risiko hoch, dass die KI zwar syntaktisch korrekte, aber fachlich falsche Ergebnisse liefert. „Garbage in, garbage out“ gilt im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz mehr denn je.

Eine saubere Governance-Struktur löst dieses Problem an der Wurzel:

Zentrale Wahrheit, dezentrale Nutzung

Durch klare Qualitätsregeln und definierte Datenprodukte entsteht ein Fundament des Vertrauens. Fachbereiche können sich darauf verlassen, dass die bereitgestellten Informationen korrekt, aktuell und rechtssicher sind.

Echte Demokratisierung

Erst dieses Vertrauen ermöglicht Self-Service-Analytics. Wenn die Leitplanken der Governance feststehen, können Daten im gesamten Unternehmen demokratisiert und sicher zur Verfügung gestellt werden, ohne dass die IT-Abteilung jeden einzelnen Report manuell freigeben muss. Auch KI-Ergebnisse können so ohne Kopfschmerzen bezüglich Halluzinationen oder rechtliche Bedenken angenommen und weiterverwendet werden.

Compliance als Standard

Mit Blick auf strenge europäische Regulierungen wie die DSGVO oder den AI Act stellt eine integrierte Governance sicher, dass Zugriffsrechte, Anonymisierung und Nachvollziehbarkeit (Data Lineage) von Beginn an in der Architektur verankert sind.

Wer die Verantwortung für seine Daten auf diese Weise intern übernimmt, schafft die zwingende Voraussetzung für Skalierbarkeit.

Wie gelingt die Migration?

Die Vorteile offener Standards und einer souveränen Architektur sind einleuchtend. Dennoch scheuen viele IT-Verantwortliche den Schritt aus dem Vendor-Lock-in, weil sie ein riskantes, jahrelanges IT-Großprojekt befürchten. Doch die Befreiung aus geschlossenen Systemen erfordert keinen riskanten „Big Bang“.

Erfolgreiche Migrationsprojekte in der Praxis beweisen, dass der Wechsel zu einer offenen souveräneren-Architektur agil und inkrementell erfolgen kann:

Use-Case-getriebene Migration

Anstatt das gesamte historische Data Warehouse auf einmal abzulösen, wird die neue, offene Plattform parallel aufgebaut. Die Migration erfolgt anhand priorisierter, geschäftskritischer Anwendungsfälle.

Schneller Return on Investment (ROI)

Indem zunächst diejenigen Datenbereiche migriert werden, die den höchsten sofortigen Mehrwert bieten, zum Beispiel zur Umsetzung neuer Use-Cases, welche zuvor unmöglich schienen, refinanziert sich der Umbau oft schon während der Projektlaufzeit.

Risikominimierung

Dieser schrittweise Ansatz stellt sicher, dass das Tagesgeschäft (Reporting und laufende Analysen) völlig ungestört weiterläuft, während im Hintergrund das zukunftssichere Fundament iterativ wächst.

Der Übergang zu offener Software und herstellerunabhängigen Datenformaten ist somit kein IT-Selbstzweck, sondern eine planbare, risikoarme Investition in die unternehmerische Handlungsfähigkeit.

Souveränität aktiv gestalten

Wahrlich souverän ist nur das Unternehmen, das die Architektur, die Qualität und den Verbleib seiner Daten vollständig kontrolliert und sich dieser Verantwortung bewusst ist. Wenn Sie sich aus der Abhängigkeit lösen, teure Lizenzmodelle hinter sich lassen und eine rechtssichere Basis für Künstliche Intelligenz schaffen wollen, führt der Weg unweigerlich über offene Standards.

Übernehmen Sie wieder die volle Verantwortung für Ihre Daten. Verwandeln Sie Ihre IT-Infrastruktur von einem reinen Kostenfaktor in den entscheidenden Wettbewerbsvorteil Ihrer Branche.

Als Experten für Big Data und die Entwicklung moderner Datenplattformen unterstützt Scalefree europäische Unternehmen dabei, diesen Weg erfolgreich zu gehen. Wir planen und realisieren End-to-End Daten- und KI-Lösungen jeder Skalierung, von der strategischen Architekturberatung bis zur Implementierung, sowie Agentic AI.

Sind Ihre Daten bereit für die Zukunft?

Lassen Sie uns in einem unverbindlichen Gespräch Ihre aktuelle Architektur beleuchten. Erfahren Sie, wie ein maßgeschneidertes Data Lakehouse auf Basis offener Standards Ihre Datensouveränität dauerhaft sichern kann.

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– Ole Bause (Scalefree)

Über den Autor

Ole Bause ist seit 2021 bei Scalefree in den Bereichen Business Intelligence, Data Engineering und Enterprise Data Warehousing mit Data Vault 2 tätig. Er ist zertifizierter Data Vault 2.0 Practitioner und verfügt über umfassende Erfahrung mit verschiedenen cloudbasierten Data-Warehouse-Diensten. Die Automatisierung von Data Warehouses gehört ebenfalls zu seinen Kernkompetenzen.

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